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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
69
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Anti-Kandide. 65

müsse des Schönen bis zum andern verlausen, mächtigausfüllen. An der Seite deiner Elche, auf ihrem fürdich vor dem Genusse noch klopfenden Busen, könntedich leicht einmal der Gedanke überrafchcn, daß fo vielSchönheit einst die Speise der Würmer werden würde;oder es könnte dich der Wunsch begeistern, daß eine solcheLiebe ewig wahren mögte. Wie sanft, wie reich wirddir dann die Vorstellung der Unsterblichkeit werden, diedich anch nach dem Grabe, von allem was du liebst»nicht trennen wird, die dir die verhütteten Tugendender Seele deiner Geliebten in einem großen Lichte durch-schauen laßt, dir einen feineren und reineren Genußgewährt.

Und solltest du ihm (demGedanken an die Unsterb-lichkeit) nicht auch danken, wenn dich die Vorstellungdes cw gen Gerichts in deinem zarten Alter von Ausschwei-fungen frey, und bey allen den körperlichen Kräften er-halten hat, welche dir itzt den Genuß deiner Geliebtenso süß machen, welche dir ihre ganze Erkenntlichkeit er-werben, und alles was die erste Unschuld Neues, dererste Genuß Reizendes, und die ungeschwachtc JugendMachtiges hat, dir itzt gewahren; wenn Elise den mu-thigen Sieger mit schmeichelhafter Furcht empfangt, undihren Busen halb weigernd halb willig öfnct. --- --

Und doch ist diese Welt die beste.

Viele sind der Meinung, daß die Begebenheiten inder Welt sich mit einander nicht anders hatten zutragenkönnen als sie sich wirklich zutragen; und daß sonach dieganze beste Welt weiter nichts enthalte als eine Reihewirklicher Begebenheiten. Der gemeine Mann hingegen,welcher mehr seinen Sinnen traut, glaubt: die Bohnewelche er esse, hatte anch gepflanzt, oder ans andre Art

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