Z72 Der arme Freye. Eine Erzählung.
„und der Gläubiger ist wahrlich ein so viel härterer„ Gutsherr, je weniger ihm an meiner Erhaltung gelc-„gen ist. Im Mcklenburgischen hätte ich doch noch„vielleicht die Schuld durch meine Arbeit tilgen tonnen,„wenn ich sie auch unter einer Auchtruthe hätte verrich-„tcn müssen; oder ich hätte doch mich des jedem Skla-„ vcn zusiehenden Rechts zur Flucht bedienen können,„ wenn es mir zu übel gegangen wäre. Aber hier...."Damit warf er sich auf fein elendes Lager, und schliefzum erstenmal in seinem Leben nicht. Des Morgenserschien Niemand der sich um ihn bekümmerte, Niemandder ihn beklagte; und wie ihm, da es eben Sonntagwar, zum Mittagsmahl ein wenig Erbfenpudding, voneinigen Kartoffeln begleitet, gebracht wurde; erinnerteer sich, daß die Arbeiter bey Herrn la Place es wenig-stens des Sonntags weit besser gehabt hätten.
Ein Glück war es für ihn zu nennen, daß ihn dieKcrkcrluft in Ncwgate bald ins Grab brachte, und ihneiner Welt entzog, worin die Freyheit allein keinen glück-lich, und der Lcibeigenthum nicht jeden unglücklich macht;der Schuldner aber, er sey frey oder eigen, immer übeldaran ist, wenn er nicht bezahlen kann. Der armefreye Mann! Er starb unbeweint und unvermißt! underhielt kaum ein freyes Grab.
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