zö2 Der arme Freye.
„versammeln, und von diesen erst zu Rechte darüber er-nennen lassen sollte, ob er jenen züchtigen lassen dürfe„ oder nicht. Unter so vielen Menschen findet sich leicht„taglich einer, der mein ihm anvcrtrauctcs Gut vcrnach-„laßiget, schlecht behandelt, oder ninthwillig verdirbt;„ und wahrscheinlich würde dieses noch zehnmal schlim-„ mcr seyn, wenn ich keine eigne Macht über sie hatte.„Hier hat man keine andre Wahl, als entweder den„ ganzen Verlag zu unterlassen: und dann würden die„armenMenschen ohne Brot seyn; oder sich unendlichen„Verdrießlichkeiten auszusehen: und Sie mögen Selbst„ urtheilen, was ich bey dieser Wahl thun würde. Ein„vernünftigcrWirth wird sich ohnehin seines eignen Vor-„ theils wegen zu mäßigen, und Belohnungen und Stra-„fcn so zu gebrauchen wissen, daß sowohl er als seine„Leute dabey bestehen können. Diese, denen ich das„Mcinige auf ihre bloße Haut borge, müssen mir auch„ mit ihrer Haut haften; und sie danken Gott, daß ich„ ihnen Kredit darauf gebe."
Um jedoch den Franzosen noch mehr zu überzeugen,ließ er einige seiner Leibeignen in Gegenwart desselben vorsich kommen, und siellcte ihnen vor: „Wie da ein Mann„aus Frankreich gekommen wäre, welcher glaube daß„alle Menschen frey seyn müßten. Da er ihnen nun„ alles Gute gönne, so erlaube er ihnen, mit Weib und„Kindern in völliger Freyheit wegzuziehen, und mit Ie-„nem nach Genf zu gehen; seine Pferde und Kühe, und„was sie noch mehr von ihm zum Bau ihres 'Ackers er-halten hatten, konnten sie nur an seinen Verwalter ab-liefern." „OHerr," antworteten diese: „der junge„Herr da mag wohl noch nicht viel in der Welt versucht„haben; wohin sollen wir mit ledigen Handen gehen?„Wer wird uns mit Allem versorgen, wie Sie, gnadiger
„Herr,