Etwas zur Vertheidigung des sogenannten
Aberglaubens unsrer Vorfahren.
Isnfcrc Vorfahren hatten die Gewohnheit, kleine Klötzean ihre Schlüssel zubinden, um sie nicht so leicht zu ver-lieren, oder, wenn sie verloren waren, so viel geschwin-der wiederzufinden; und eben so verfuhren sie auch mitden nützlichen Wahrheiten, welche sie der Jugend rechttief einprägen wollten: sie hingen jeder guten Lehre einKlötzchen an, damit sie ihr bald wieder einfallen, oderzu rechter Zeit ins Gedächtniß treten mögte. So sagtensie ihr z. B.: „Kinder! so manches Salzkorn Ihr ver-streuet, so manchen Tag werdet Ihr vor der Himmels-thüre stehen müssen; legt die Messer nicht auf den Rücken,die heiligen Engel mögtcn sich darauf die Füße zerschnei-den; seht des Abends nicht in den Spiegel, der Schwarzeguckt euch über die Schulter —und die Erfahrungbestätigt es, daß diese Klötzchen dem Gedächtnisse wenig-stens eben so gut zu Hülfe gekommen sind, als dieReime, die, ehe die Schrcibckunst recht gemein war, ingleicher Absicht gebraucht wurden; oder die Ohrfeigen,welche man der Jugend bey Beziehung der Gränzen zugeben pflegt.
In neuern Zeiten hingegen, will man so gar beyKindern alles durch reine Gründe zwingen, und fürchtetjene Anhängsel mögten eine üble Wirkung thun, und dieLeute zum Aberglauben verführen. Ich sehe aber dochnicht ein, wie dieselben einen größern Schaden anrichtenkönnten, als die Zauberwclt in der Oper, die Fccnmähr-chcn, die Fabeln, und andre Arten von Erdichtungen,
worin