Z24 An einen angehenden Misanthropen.
daran bat, und wcnn es auch sogenannte feurige waren.Man ist hierüber in den hohem Sphären langst verstan-den, lieber Freund; und es ist Ihre Schuld, daß SieAufrichtigkeit fordern wo sie eben gar nicht nothig ist.
Bey aller seiner Menschenscheu, ließ sich Rous-seau doch durch seine Eigenliebe gar sanft einwiegen,wenn ihm die Herzoginn von Luxemburg, oder eine andregroße Frau, die feinste Aufmerksamkeit bezeugte; undfast wollte ich wetten, daß Sie in einer ähnlichen Gefahrnicht Meister Ihrer Selbst bleiben würden. Es ist alsovielleicht nur die Schwache der Versuchung die Sie sostolz macht, oder die ungcgründcte Furcht ein bischengekrankt zu werden, wodurch Sie zu dem Entschlüsse ge-kommen sind die ganze Welt für falsch zu erklären. Ichkenne die männliche Großheit, wie gern sie in einem phi-losophischen Gewände glänzt, wcnn es nicht anders ge-hen will; und denke bisweilen in meiner weiblichenSchwachheit, daß Alles in der Welt, jene Philosophienicht ausgeschlossen, nur Mittel sey seinen Zweck zu er-reichen, oder seine Eitelkeit zn befriedigen. Wäre ichschon ganz in den Jahren worin man seine guten Restenur bescheiden zeigen, und höchstens seinen Verstand alshaare Vernunft wirken lassen muß; so würde ich gewißdarauf ausgehen, mir Achtung undDuldung durch klugeGefälligkeit zu verdienen. Sie aber thun gerade dasGegentheil, und scheuchen durch Ihr übertriebenes Miß-trauen jede Empfindung zurück, die Ihren Verdienstenzu huldigen so oft bereit ist. Sey es auch, daß dieseHuldigung ein kleines Interesse zur Seite habe; so magdieselbe doch noch keiner Falschheit beschuldiget werden.Denn welcher Mensch wird nicht seine Plane so anlegen,daß sie gerathen sollen; und, wenn dieses von einer ge-fälligen Miene abhängt, nun gerade ein widriges Gesicht
machen?