Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

An einen angehenden Misanthropen. 325

machen? Sie sind darum noch nicht hintcrgangcn oderbestochen; und es wird immer noch in Ihrer Macht be-ruhen, zu thun was Sie gerecht finden, ohne daß eseben norhig ist, eine wohlangebrachte Schmeichele!) mitVerachtung zu erwiedern, und aus Furcht, auf einerSeite für einen schwachen Mann zu gelten, sich auf derandern noch schwacher zu zeigen.

Es ist, sagt man, eine Schwachheit der Manner,wie der Weiber, daß sie immer wollen daß man sich insie verlieben solle, wenn sie auch nichts weniger als ge-neigt sind diese Liebe zu erwiedern; und daß sie, sobaldsie fühlen daß sie hierauf weiter keine Ansprüche machendürfen, unzufrieden mit sich selbst werden, und sich wohlgar vernachlässigen. Allein weise Manner und Weiberrichten alsdann ihre Ansprüche auf Hochachtung oderFreundschaft, und genießen darin oft mehrere und dau-erhaftere Annehmlichkeiten, als in jenem Spiele derwechselseitigen Eigenliebe. Und gerade diese Weisheit istes die Ihnen fehlt, und die ich Ihnen ohne alle Kom-plimente empfehle, damit Sie Sich nicht abermals ein-bilden, ich suche Sie nur zu persischen.

X 3 Ueber