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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
323
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An einen angehenden Misanthropen. z?z

gesprächig gewesen; aber ich konnte Ihnen doch noch zu-weilen wiederholen, was Sie mir einstmal sagten, alsSie noch recht galant waren:

Du schweigst; wie zärtlich kannst du schweigen!

Doch seh' ich was dein Auge spricht;

Du traust der Worte Ausdruck nicht,

Und wünschest mir dein Herz zu zeigen.

anstatt daß ich seit einiger Zeit Ihnen um alles in derWelt nicht einen freundschaftlichen Blick geben mögte.

Woher nun aber diese große Veränderung? Wennman die Welt lange gekannt hat, sagten Sie einst, sowird man zuletzt mißtrauisch gegen alles. Nun freylich,wenn die Jahre kommen, worin man es sich selbst be-wußt ist daß man Keinem mehr gefallen könne; so falltdie süße Leichtgläubigkeit weg, welche uns in der Jugendso angenehm täuschte, und man hat sehr gerechte Ur-sachen mißtrauisch zu werden. Aber sind Sie es Sichdenn wirklich schon bewußt, daß Sie auf keilte Art mehrgefallen können? Hat nicht jedes Alter seine besondernVorzüge, wodurch es zum Vergnügen der Gesellschaftsein Scherflein beytrage kann; und gehen meine Forde-rungen an Sie weiter, als daß Sie dasjenige mit Ge-fälligkeit aufnehmen sollen, was ich Ihnen zuweilen,wenn ich froh bin Sie zu sehen, Gefälliges sage?

Von mir können Sie doch wohl keine Falschheitvermuthen; und wenn ich Sie auch bisweilen im Scherzezum Besten hätte, so würden Sie mir auch dafür dan-ken müssen. Denn wahrlich, es giebt sehr wenig Manns-köpfe in der Welt, welche ich auf diese Art zum Bestenhaben mögte. Ucbcrhaupt brauchen Komplimente nurgut gewandt zu seyn; und man hat darin nicht mehrAufrichtigkeit zu fordern, als in freundschaftlichen Um-armungen, die man sich aus einer Korwcntionspolitessegiebt, ohne daß das Herz einen ganz besondern Antheil

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