288 Ueber die allgemeine Toleranz.
E. Mich dünkt, wir sind von der wahren Streit-frage abgewichen. Die uns zur Entscheidung vorgelegtebestand darin: ob es nicht ein Mittel gebe jeden Kolo-nisten dahin zu bringen, daß er nicht bloß äußerlich undgleichsam zwangsweise die von der Mehrheit bewilligtenreligiösen und moralischen Lehren annehme; sondernauch denselben seinen ganzen herzlichen Beyfall scbnike:ohne dabey anzunehmen, daß die Mehrheit ans Einge-bung Gottes, oder eines göttlichen Geistes spreche?
B- Christus, welcher eben einen solchen Zeitpunkttraf, als wir itzt vor uns haben, indem die Juden bloßihre äußerlichen Handlungen ihren Gesetzen unterworfen,und den Wolf im Herzen behalten hatten, so sehr auchihre Weisen ihnen die Attgegenwart ihres Gottes zu ver.sinnlichen bemühet gewesen waren; — Christus ver-suchte es durch die Vortrefflichkeit seiner Lehre.
?s. Der Plan war eines so großen Weifen würdig;aber dennoch fanden seine Nachfolger es nothig, ihnund seine Lehre von Gott kommen zu lassen: so wiedie christliche Kirche es für rathsam hielt, dieses durcheinen göttlichen Geist auf einer Kirchcnversammlungbestätigen zu lassen.
A. Ich glaube daher auch nicht, daß es andereMittel gebe, den herzlichen Beyfall eines jeden Kolonistenzu gewinnen, als: daß jede der hier zugelassenen Par-teyen die Ihrigen von Jugend auf in ihren Grundsätzenunterrichte und befestige; damit man von obrigkeitswe-gcn die Vermuthung, daß sie dasjenige wirklich glaubenwas sie bekennen, fassen, und wenn sie dann durch Hand-lungen ihr Bekenntniß verleugnen, sie von aller Ehren-fahigkeit ausschließen, und nach Beschaffenheit der Um-stände auch bestrafen könne. Von der Jugend ist zn
hoffen,