Ueber die allgemeine Toleranz. 28z
er auch hiedurch nicht beruhiget: so bedenke er, daß ernicht unfehlbar sey, und behalte seine Zweifel für sich,oder fürchte die Macht derjenigen, die eben so viel Rechthaben, ihre eigenthümlichen Meinungen zu vertheidigen,als Er die seinigen auszubreiten. Hiernächst wird auchdas erste Weisthum der Weisen nicht für unfehlbargehalten: es kann sich mit den Bedürfnissen der Kolonieoder bey mehrerer Aufklärung ändern; aber dieses mußin der Ordnung von der Mehrheit, und mit Behutsam-keit, geschehen. Anderwärts, wo immer eine Armee inBereitschaft sieht das Volk zu bändigen, wenn es ein-mal eine schädliche Meinung zum gefährlichen Ausbruchkommen läßt, ist vielleicht weniger Behutsamkeit nothig;aber hier, wo wir keine stehenden Armeen halten wollen,ist es gefährlich, solchen Meinungen die nicht mit demallgemeinen Wohl unserer Kolonie besichn, freyen Laufzu lassen. In den letzten Unruhen redete mich einst meinSohn, ein guter Junge von vierzehn Iahren, mit denWorten au: „ Du verfluchter Hund, ich mogte dir das„Wesser im Herzen umdrehen!" Und was meinen Sie,warum? Die Schulkunden waren Amerikanische Patrio-ten geworden; und ich war damals, noch als Bedienterder Krone Englands, meinen Verbindungen getreu. Odergleichen Meinungen gehn in Ländern, wo das Volkdurch keine Macht zurückgehalten wird, in die abscheu-kichsten Ausschweifungen über; und eine kluge Polizcywird allemal dafür sorgen müssen, daß gute der Verfas-sung entsprechende Meinungen im Umlauft bleiben. Siewird besonders für Schulen und Tempel zu sorgen ha-ben, daß darin keine andre Meinungen gelehrct werden,als welche sie von der Mehrheit zur getreuen Bewahrungempfangen hat. Auf andre Art ist dir Gränze schwerzu bestimmen.
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