-78 Ueber die allgemeine Toleranz.
?k. Wozu alle dergleichen Bekenntnisse? Giebt esnicht schon Heuchler genug in der Welt? und kann nichtein Jeder immer anders sprechen als er denkt?
B. Sie wollen Sich also, wenn es sich treffensollte daß Sie eines Verbrechens wegen angeklagt wur-den, auf das Zeugniß von zwey oder drey Menschenderen Gesinnungen Ihnen völlig unbekannt sind, um Ehreund Gut, Leib und Leben bringen lassen? Oder denkenSie. daß man in unsrer Kolonie den Beweis durch Zeu-gen ganz werde entbehren können?
Wenn die Zeugen durch einen rechtschaffenenWandel bekannt sind, und das Zeugniß auf ihre Ehreablegen; so werde ich dabey eben so sicher seyn, alswenn sie bey allen Gottern schworen. Die Ehre hatnoch allemal ihre Schuld richtig bezahlt; nicht so dieLiebe des Nachsien, die oft ihren Bruder darben ließ.
B. Aber unsre Kolonie besieht aus allerhand zu-sammen geflossenen Leuten, von allerley Nationen, Reli-gionen und Charakteren; und es können leicht auch einigeun>er ihnen seyn, welche den Grundsatz haben: daß eserlaubt sey, seinen Feind durch Gift oder ein falschesZeugniß von der Welt zu bringen. Ein solcher Mannkann, wie die mehrsien eifrigen Sektirer, bey diesenGrundsätzen übrigens einen ganz guten Wandel führen;und wir können ihn so wenig verachten, als zur Verant-wortung ziehen, wenn er feinen Grundsätzen gemäß han-delt, und mit der Freyheit zu denken wie er will, zumMitbürger aufgenommen ist.
C. Ich bin ein Deutscher; und meine Vorfahrenerforderten lange Zeit cbcngenofse Zeugen, die, wennsie ein falsches Zeugniß ablegten, Ehre und Gut zu ver-lieren hatten.' Die wenigsten von unsern Kolonisten
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