276 Ueber die allgemeine Toleranz.
ihnen verstatte so weit zu gehen, als die ihnen von ihn:uicht umsonst verliehenen Kräfte reichten. — Hier aberzog auf einmal, gleich als ob sie von einen; Sturm er-griffen worden wäre, die Menge ihr Schwert; und je-der rief: es komme nur der Mehrheit und dem Starkernzu, sich einen Gott zu wählen, und alle diejenigen, indieser Kolonie, welche sich unterstehen würden andreGotter zu haben neben dem ihrigen, sollten ausgerottetwerden in ihren Gränzen. Dies machte einen sichtbarenEindruck; obgleich die andern heimlich murrcten: einesolche Intoleranz, wodurch ihnen nun sogar die jedemMenschen zustehende Denkfreyhcit abgeschnitten werdenwollte, wäre unerhört; und sie wollten doch glaubenwas sie wollten, wenn sie sich gleich in ihren Handlun-gen nach jenen so genannten gottlichen Gesetzen richtenmüßten. Die Zeit käme vielleicht noch wohl, worin siedie Stärksten seyn würden. ...
Dies wäre ihnen aber bald übel bekommen. Denn,da die andern horten, daß diese sich nur äußerlich nachden Gesetzen halten, und es aufs Lauren legen wollten;so vermutheten sie von ihnen: sie würden sich denselbenheimlich so oft sie konnten entziehen, nntcr sich den Gottder Kolonie lästern, in Kammern bey ihrem vorigenWesen beharren, und endlich, wenn sie stark genug ge-worden wären, alle Gesetze wieder über den Haufenwerfen. Man hielt es also für nothig, auch derglei-chen Kolonisten die nur den geringsten Zweifel an jenerSatzung der Weisen zu Tage gelegt hatten, von allerEhrenfähigkeit auszuschließen, um ihnen nicht zu vielMacht in die Hände kommen zu lassen; und um ihreVermehrung zu hindern, nahmen sich alle Sekten, welchesich an festgesetzte Schlüsse ans dein großen Grundsatzevom allweisen allmächtigen und allgütigen Wesen, oder
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