Ueber die allgemeine Toleranz. 275
sollten; weites anstoßig und schimpflich Ware, daß einMensch den andern beherrschen sollte.
Zwar machte einer der Weisen noch den Entwurf;daß es eben so anstoßig und unschicklich seyn würde>wenn man hiernach sagen müsse, Gott zürne und räche,oder er werde beleidiget und versöhnet. Allein sie wurdenbald über den Begrif eines Gotthcrrschers einig, undhielten es für einen edlen Zug der Urwelt, welcher denlaurcstcn Beyfall verdiene, daß die ersten Menschen keineHintersassen eines Königs oder Fürsten, sondern unmit-telbare Gottessassen hatten seyn wollen.
Solchcmnach ward eine Gottes- Polizcy (eben wieehemals in Deutschland ein Gottesfriedcn) in d-e Kolo-nie eingeführt; und durch dieselbe wurden nicht alleingewisse Grundsatze in Ansehung des Eigenthums, derEhen u. s. w. als Gottcsgcsetze festgesetzt, sondern auchunter andern, als auf Gottes Befehl, gewisse Tage ge-heiligt, Versammlungshäuser angeordnet, dabey eigeneLehrer angestellt und Schulen angelegt: alles in der Ab-sicht, um sowohl den jungen als alten Kolonisten jenenbestimmten Willen Gottes in Ansehung dieser Kolonie,recht tief und fest einzuprägen, und ihre vormaligenfreyen Handlungen zum allgemeinen Besten einzuschränken.
Indeß waren doch bey weitem nicht alle mit dieser Ein-richtung der Weifen zufrieden. Einige sagten: man ver-wechsle hier offenbar den theokratifchenGott mit dem all-weisen allmächtigen und allgütigen Wesen; es sey eine bloßeVergötterung seines eigenen Begrifs, daß man einenTheokraten aufstelle, und diesen gebieten oder verbietenlasse was man selbst wolle. Eine solche Täuschung er-niedrige den Menschen; und sie hätten eben die Freyheit,welche andre hatten, sich einen Gott zu bilden, w- '' r
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