Ueber die allgemeine Toleranz. 2? i
In den Glaubensbekenntnissen von Gottfand sic h jedoch eine solche Verschiedenheit, daßes eine lange Zeit unmöglich schien, alle zu vereinigen.Einige hielten es für höchst verwegen, und für unmög-lich : daß ein endliches Wesen sich einen Vcgrif vom un-endlichen machen wollte; Andre glaubten, man brauchedavon nicht mehr zu wissen, als man mit seinen fünfSinnen und mit dem von Gott erhaltenen Verstände be-greifen konnte; und noch Andre hatten besondre Offen-barungen angenommen, woraus sie das unendliche We-sen erkennen wollten. Der großen Verschiedenheit nichtzu gedenken, die aus den Begriffen welche sich jederentweder ans der Natur, oder aus den Offenbarungen,von einem Hochsien Wesen machte, hervorging. Endlichkam man doch darin übcrcin: „daß ein jeder, der indic-„ser Kolonie ehren fähig seyn wollte, ein allweises,„allmächtiges, und allgütigcs Wesen, welches diese„Welt erschaffen habe, und regiere, bekennen, jedoch da-„ bey die Freyheit haben sollte, von diesen drey großen„Eigenschaften des allerhöchsten oder allerersten Wesens„ so viel zu hoffen und zu fürchten, als er konnte, und„brauchte."
Nun glaubte jeder die Kolonie auf das herrlichstegegründet, und von Menschen, welche jenes höchste-Wesen annahmen, nicht allein nichts zu fürchten zu ha-ben, sondern auch Alles erwarten zu können was zu sei-nem Frieden diene. Allein der Erfolg zeigte bald, wiesehr man sich gcirret hatte. Nicht die Hälfte der Kolo-nisten hielt etwas auf besondre Gottesverehrungen, aufbesondre Versammlungshäuser oder Tempel, oder aufbesondre Lehrer. Ihrer Meinung nach: fühlten beson-dre Lehrer immer einen Geist des Standes, der überallunendliche Verwirrungen anrichte, und sie zogen dieMenschen nur von der Thätigkeit zur Spekulation; Ver-
samm-