Der Cölibat der Geistlichkeit. 219
denn was kann aus den Nachkommen der Cadets, dieauf Bedienungen Heirachen müssen, in Deutschland,wo alles Namen und Wapcn behalt, anders werden alsDiener und wiederum Diener? Und so wird es auch einpraktisch-denkcnderMann, wie Sie, mein Freund, nichtso ganz unpolitisch finden, daß die geistlichen Cadcts un-vcrheirathet bleiben, oder wo sie zu Gütern gelangen, ihrePfründen andern überlassen.
Was endlich ihren Haupteinwurs anlangt, daßdie Trennung der geistlichen und weltlichen Macht, inunsrer gegenwärtigen Lage, eine unzeitige Spekulationsey, indem die neuern Zeiten ein anderes System erfor-derten: so räume ich solchen gern ein. Dagegen sollenSie mir aber auch zugeben, daß ein weiser Steuermannimmer wohl thue, so viel möglich nach der Linie zu steu-rcn welche der Kompaß zeigt, wenn er gleich dem Stur-me noch soviel nachgeben muß; er mochte sonst zuletztden einen Pol für den andern Wahlen, und anstatt dasSchiff dem Hafen zuzuführen, es auf den gegenseitigenStrand jagen.
Uebrigens bitte ich, mich nicht, wie einige anderegethan haben, welche auch die Politik nach der Ortho-doxie abmessen wollen, einer Jrreligion zu beschuldigen,wenn ich die religiösen Meinungen bloß von der Seitedes Vortheils betrachte den sie dem Staate leisten;einer Seite die mir immer sehr wichtig scheint, da Gottauch das Wohl der Staaten durch die Religion zu be-fördern sucht, und uns nicht zu seinem sondern zu un-serm Glück eine Offenbarung gegeben hat. Ich thue esmit redlicher Absicht, und mit Ehrfurcht für die theolo-gischen Gründe, welche außer meiner Sphäre liegen.Die Politik laßt in den protestantischen Staaten Dcutsch-
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