216 Der Cölibat der Geistlichkeit.
Geistlichkeit, und die Erhaltung der großen Familien,gehabt hatte.
Bey dem allen leugne ich nicht, wie ich den Pfar-rern, besonders auf dem Lande, wo sie keine Kosthauserund keine Gesellschaften besuchen können, sondern ihreeigene Hanshaltung führen, und sich auf ihre Studier-stube einschränken müssen, von Herzen die Hülfe einerguten Ehefrau wünschte; ich gebe auch zu, daß die Fol-gen hievon für die katholischen Staaten so wenig schäd-lich seyn würden, als sie es für die protestantischen sind:ungeachtet dcrKindcr, die immer studiren und nicht pflü-gen wollen, genug vorhanden sind. Allein, ich sehenicht ab, wo man die Gränzen setzen, und diese gehörigbefestigen wolle, wenn man einmal anfängt den Priesterndie Ehe zu gestatten.
Mit Dispensationcn ist hier nicht auszulangen;und wenn man sich auch hierauf zurückziehen wollte, wersollte diese ertheilen? Der Papst? o wie würde die deut-sche Nation schreyen! — Der Bischof? Ach, verarmeMann! er wird so schon von den Hofdamen und Hofleu-ken genug geplagt, seitdem er sich nicht mehr wie sonsthinter den Fels Petri verbergen, und den Papst mit demHasse aller abgeschlagenen ungebührlichen Dispensationcnbeladen kann. — Der weltliche Landesherr ? Nun frey-lich! man hat ihm, damit er nicht einmal auch einePricsterche für gesetzmäßig erklären niogte, die Ehesachenso lange entzogen, daß man ihm endlich wohl das Ver-gnügen gönnen konnte, einem rechtschaffenen Landpfarrereine ehliche Wirthinn zuzuführen. — Aber sollte bey demeinen oder andern, nach dem Laufe der menschlichenHandlungen zu urtheilen, die Hierarchie der römischenKirche so bestehen wie sie jetzt besteht, und ewig bestehenmuß, wenn sie eine Stütze gegen den Despotismus ab-geben