204 Schreiben über die Deutsche Sprache
vinzialwcndungen und Wörter, wo es die Bedürfnisseerforderten, auf die glücklichste Art nationalifirte; ihmsind die Wiener gefolgt, und seitdem uns Gothe inder Sprache auf dasjenige, was Cicero*) rom-urosvereres -ic urbauos lalos und vereris Iepo^l5 veliich»nennet, zurückgeführet hat, damit wir nicht zuletzt lau-ter Buchsprachc reden inogten, hat jedermann unsernehmaligcn Mangel empfunden; und ihm jetzt mit HellemHaufen zu begegnen gesucht, so daß wir nunmehr wohlhoffen dürfen, bald eine Sprache zu haben, worin alleMuthwilligkciten und Acffcreyen, deren sich der Menschzum Ausdruck seiner Empfindungen und Leidenschaftenbedient, dargestellet werden können. Doch ich will dar-auf nicht wetten, daß nicht viele, denen es schwer falltin deutscher Luft zu athmen, die Franzosische der Deut-schen immer vorziehen werden.
Eine Dichtcrsprache hatten wir fast gar nicht, undwir würden auch nie eine erhalten haben, wenn Gott-sch c d die tapferen Schweizer, die sich seiner Reinigungwidersetzten, besieget hatte. Haller ward unser ersterDichter; und wie Klopstock kam, begriffen wir erstvöllig, was die Englander damit sagen wollen, wenn sieden Franzosen verwerfen daß sie nur eine Sprache zumVcrsemachen nicht aber für die Dichtkunst hatten. Auchwir hatten vor Hallern nur Verscmachcr, und vorGleimen keinen Liebesdichtcr. Wie sehr und wie ge-schwind hat sich aber nicht unsre Dichtersprache mit ihrenersten Meistern gebessert? und welche Dichtungsart istübrig geblieben, wozu sie sich nicht auf eine anständigeArt bequemet hat?
In
*) Lx. - tarn. lü. IX, Lx. 15.