und Litteratur.
teil auf eine lehrreiche und angenehme Art vorzustellen,bewundert, schien mir in seinen ersten Versuchen ein un-wahrer Dichter: seine Rede glühete mehr und sein Colo-rit war weit lebhafter als seine Empfindung; oder diesewar, wie es der Jugend gewohnlich ist, nicht hinläng-lich genährt und gesattiget. Daher liefet man seine erstenGedichte nicht mehr so gern wie seine spätern. Alleinmit den Jahren wie mit dem Genusse ward seine Empfin-dung mächtig! nun ward ihm die Sprache oft zu enge,die volle Empfindung quoll über den Ausdruck, und mansah in seinen spaten Werken immer mehr Schönheit, alsihm die Sprache zu zeigen verstattete.
Wahrscheinlich ist es auch nicht, daß wir uns soganz in die Empfindung unsrer Nachbaren versetzen wer-den. So wie diese andre Bedürfnisse haben, so ist ih-nen auch dieses und jenes weit angelegener als unS.Die Spanierinn höret eine Serenade mit einer ganz an-dern Entzückung, als cinc Deutsche; die Schönheit desSonnets, welches der Jtaliauer als das wahre Eben-maaß einer Grazie mit Recht bewundert, ist in Dtursch-land nle gehörig empfunden, und das Meisterstück vonFilicaja würde d-n mehrstm unter uns unbekannt ge-blieben seyn, wenn es ihnen Richardson nicht gczei-gct hatte. Die französische Bühne steht mit der Natio-nal-Erziehung in dem richtigsten Verhaltnisse; und,indem der Deutsche schreiben muß um Professor zu wer-den, geht der Engländer zur See um Erfahrungen zusammeln. Ohne nun in den nehmlichen Verhaltnissenzu stehen und die Bedürfnisse zu fühlen, welche die Spa-nierinn lauschen macht, und den Sinn des JtaliänerSfürs Ebenmaaß in Bewegung setzt, werden wir nie wiesie empfinden; und so können auch ihre Ausdrücke undTropen bey uns nie den Grad der Wahrheit erhalten,
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