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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
188
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?88 Schreiben über die deutsche Sprache

Wenn wir aber so wenig große Begebenheiten ha-ben, als mit der gehörigen Lebhaftigkeit empfinden,wie wollen wir denn zu der Hohe der Gedanken und desAusdrucks gelangen, welche andre Nationen auszeich-net? Kann die schlaffe Seele eben das was die hoch-gespannte würken? Und müssen wir nicht, da wir keineinziges großes Interesse weder im Staate noch in derLiebe haben, bey unserm beständig kalten Blute vordemWagstück schaudern, das dem Manne auf dem Oceankeine einzige Uebcrlegung kostet? O es war ein großerGedanke von Mcngs:Raphael kann in der Kunstübertroffen werden, aber keiner wird wie Raphael em-pfinden;" und nach demselben sage ich: einige Deut-sche können vielleicht dem Italiäncr an Feinheit, demSpanier an Edclmuth, dem Engländer an Freyhcits-srolz, was die Kunst oder den Ausdruck angeht, gleichkommen; aber im Allgemeinen geredet, wird keiner vonihnen das wahre feine Gefühl des Jtaliäners, keinerdie edle Liebe des Spaniers, keiner die Begeisterung fürFreyheit und Eigenthum eines Engländers damit ver-binden. Keiner wird in allem so wahr empfinden,denken, harren, schwärmen oder rasen, als die Natio-nen, welche durch würklichc Umstände genothiget wer-den ihre höchste Empfindung hervorzupressen und aus-zudrücken; und ohne Wahrheit ist keine vollkom-mene Große, so wenig in der Musik als in der Malerei),und in andern schonen Wissenschaften. Mit derselbenaber sind auch Concetti unterweilcn erträglich.

Eben so denke ich von den Franzosen, die (wiedie Deutschen) alle Tone zum Theil glücklich versuchen,aber nie wahre Engländer an Große, nie wahre Jtaliä-ner an Feinheit, und nie wahre Spanier in hoher Liebewerden; bloß in der Vaterlandsliebe haben sie vor uns

naiür-