der Evangel. und Kachol. Kirche« 17s
kein andrer Fond vorhanden ist, daraus besireiten muß.Wir aber konnten es als das vortrcstichsic Band derMenschheit verehren. Denn, indem es die Seligkeitdes Monarchen von der Fürbitte seiner Unterthanen mitabhängen macht: so liegt darin ein starker Bcwcgungs-grnnd für ihn, diese in seinem Leben zu schonen und zulieben; ein Bewcgungsgrnnd für jeden Menschen, seinenMitbürgern wohl zu thun, um sich ihre Fürbitte zu er»werben. Und warum sollte Gott oder die Kirche nicht,um Liebe und Wohlthun unter seinen Geschöpfen zu be-fördern, so etwas weislich und gnadig bestimmt, unddamit die Ewigreit der Hölleiistrafen, die einige unteruns doch bezweifeln, weislich ermäßiget haben?
Die erstere aber hätten wir billig allezeit beybehal-ten, und jeden Pfarrer oder Beichtiger anweisen sollen,der Obrigkeit jahrlich eine Sändentabclle einzusenden,um daraus den sittlichen Wohlstand oder das sittlicheVerderben ihrer Unterthanen beurtheilen, und sich mitGesetzen und Strafen darnach richten zu können. Aufdiese Art kann dieselbe den größten Nutzen haben, wiedie ehmaligc Geschichte der Vergiftungen in Frankreichlehret; sie ist dann die Konduitenliste der Menschheit,und was könnte für einen mcnschenlicbenden Regentenunterrichtender seyn als diese? Mehrmals haben michdie Jesuiren versichert, daß gewisse Arten von Sunden,die zu Rom herrschten, in Westphalcn gar nicht bekannt,und die gemeinen Leute dahicr zehnmal frömmer alsanderwärts waren. Dieses wußten sie aus der Ohrenbeichte; und ich glaube, daß man aus den Süudcnlistennoch bessere Schlüsse als aus den Todtenlisien machenkönnte. Rousseau würde gewiß den Einfluß derWissenschaften auf das menschliche Geschlecht daraus be-rechnet haben.
Den