Schreiben an einen Oberrabbiner.
So weit geht das Theoretische in dieser Sache,welches die Pharisäer ebenfalls gelchret haben können,und wahrscheinlich gelehret haben, da sie mit solcherMacht die Unsterblichkeit der Seele gegen das Gesetz unddie Orthodoxen ihrer Zeit zu behaupten hatten. Bloß ge-gen unsre Theorie haben Sie mir Schwierigkeiten ge-macht, und diese vermeine ich damit gegen Sie hinläng-lich gerettet zu haben. Ueber das Faktum, daß wirklichder Ewige Mensch geworden sey, und das Gesetz cr-füllthabc; daß Jesus von Nazareth der Ewige gewesen;und daß der Geist Gottes, so wie wir Christen es be-haupten, über die Menschen ausgegossen worden, habeich nicht mit Ihnen zu streiten. Paulus wurde hiervondurch ein Wunder überzeugt; und wenn Sie dieses auchverlangen: so kann ich Ihnen nicht helfen. Ich sollteaber doch glauben, wenn Sie in allen Prämissen, welchein der Schule der Pharisäer gelehret worden, mit mireinig sind, daß Ihnen die Geschichte, wenn Sie die B«-wcise Selbst prüfen, und die Zeugnisse der Jünger Chri-stus nur als menschliche Zeugnisse gelten lassen wollen,allerdings glaubhaft vorkommen würde.
Sie sind ein Philosoph, der die Unsterblichkeit derSeele! wünscht, und ich bin zugleich ein Christ, der sieaus der Offenbarung glaubt. Sollten Sie nicht wün-schen, diese Versicherung auch zu haben, und den Fluchdes todtcndcn Gesetzes, welches uns Moses bekannt ge-macht hat, durch den Ewigen, in dem alle Menschen aufeinmal der alten Naturschuld abgestorben und zur Sterb-lichkcit wiedergeboren sind, aufgehoben zu sehen? Ucbcr-lcgen Sie es, und sagen mir, was Sie noch für Zweifeldabey haben, nachdem Sie zufordcrst unsre Lehre nocheinmal aus dem Gesichtspunkte, worin ich solche itzt ge-st ellet, betrachtet haben werden.
Ich bin u. s. w. —
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