168 Schreiben an einen Oberrabbiner.
zu lassen; so hatten Sie den guten lieben Ewigen abge-schickt, um auch diesen im Gefängniß die frohe Botschaftdes ewigen Lebens zu verkündigen, und sie zu der ange-nehmen Erfüllung aller ihrer Hoffnungen unverzüglicheinzuladen. Oder glauben Sie, daß eine solche Hollen-fahrt dem hohen Stil dieser Epopcc, oder einem So-krates unter den Pharisäern, 'unanständig gewesenseyn würde? Mich rührt sie immer, auch als Erdich-tung betrachtet, zu empfindsamen Thränen.
Noch mehr aber rührt mich die Sendung des gott-lichen Geistes, welcher in der Mosaischen Oekonomie,worin alle Menschen des ewigen Todes stürben, nichtszu thun hatte, nun aber auf einmal über ein neues un-sterbliches Geschlecht ausgegossen wird, um dasselbe zuseinem neuen Berufe zu heiligen. Eine unglückli ch cUnsterblichkeit war ein schrecklicher Gedanke: den Men-schen quälte nothwendig sein geringes Verhältniß gegeneine gerechte Gottheit; und siehe! ein Geist geht von ihraus, um uns zu lehren, zu stärken, zu trösten, und zueinem neuen Leben, zu der so glücklich wiederhergestelletenUnsterblichkeit zu heiligen. Das größte Genie kannschwerlich einen hohem Gedanken haben; und wie großmochte der Einfluß dieses Lehrgebäudes auf die Sittcn-lehre seyn? Ein sterbliches Geschlecht ist zufrieden, wennnur der äußere Mensch den Geboten feines Herrn ge-horcht; um den innern Menschen hat es sich nicht zubekümmern. Aber ein unsterbliches Geschlecht, das der-einst vor einem strengen Richter Rechenschaft geben, undnach seinen Thaten in der Ewigkeit gestraft oder belohntwerden soll, muß auch den inwendigen Menschen vercd-len, und in einem ganz neuen Leben wandeln.
Warlich, mein Freund, Sie müssen dieses Systemnicht allein schon, sondern nun anch den Gott Israels
drey-