Sendschreiben an Herrn von Voltaire. 157
dem berühmtesten Maler seiner Zeit. ES war öfterConcert bey ihm, er accompagnirte, spielte die Laute;und wir haben noch Gesänge, wozu er die Musik besetzet,welche an Pracht und Rührung, wenn gleich nicht anKunst, den Stücken eines P ergo lese gleichen. Kurz,er war ein Gottesgclehrtcr, der sich zu unsern Zeitenkonnte sehen lassen, ohne einen seiner Nebcnbrüderschamroth zn machen.
Man legt ihm indeß nicht ohne Grund zur Last,daß er nicht allemal mit genügsamer Behutsamkeit ge-handelt; daß er öfter den guten Schein versäumet; daßer nicht allemal eine feine Bescheidenheit beobachtet habe;daß er sich durch die Beschimpfungen seiner Feinde auf-bringen lassen gleiches mit gleichem zu vergelten; daß ersich gar zu ungestüme und beißende Einfälle erlaubt, umseine Gegner zu erbittern; daß er endlich in dem Streitemit Erasmns ans seiner Fassung gekommen, dessen feineSatyrc und angenommene Gelassenheit seine Eigenliebereizte, die allezeit zu siegen gewohnt war.
Man kann, zu seiner Entschuldigung, die Grobheitder damaligen Zeiten anführen. Das Betragen derFürsten, die sich so weit vergaßen daß sie sich mit einemdeutschen Mönche in Streit einließen, giebt davon einhinlängliches Zeugniß. Man kann sagen, daß die Grazieeiner christlichen Gelassenheit und die einschmeichelnde Be-scheidenheit zu fein für den Geschmack des Pöbels war,und daß ihn das gemeine Volk würde ausgezischet ha-ben,
len, das Bildniß der letztem Luthern gegen über zu stel-len, ehe dieser noch daran dachte sie zu hcirathen.Wohlan, sagte Luther, gebet mir das Bildniß einerso Wohlgestalten Perjvn; ich will es den zu Mantuaversammelten Vätern zuschicken, und versuchen, ob siein Ansehung des ehelosen Standes nicht anders Sinneswerden. S. stiNe Tischreden, S. zo?.