156 Sendschreiben an Herrn von Voltaire.
verstoßn?, und von allen als der Urheber dieses Trauer-spiels angesehen war, hatte sich nach Leipzig begeben,wo er eil? schmachtendes und schwindsüchtiges Lebenführte. So bald Luther von seinem Zustande Nachrichterhielt, tröstete er ihn in seinem Unglücke, und bat ihn,sich eine Sache nicht so sehr zu Herzen zu ziehen, dienicht so wohl eine Folge feiner Fehltritte, als vielmehrein Zeichen vom Finger Gottes zu ftpu schiene
Ob Luther nun gleich ein Reformator war, so warer doch weder ein Schwärmer noch Enthusiast, undohne pedantisch, eigen und storrig zn sepn, war seinUmgang vielmehr munter, seine Gemüthsbcschaffenheitlebhaft, seine Einfalle in Antworten glücklich und stark,und seine Tischreden waren sehr ergötzend. Er aß gut,und fast allezeit in Gesellschaft von einigen Gelehrtenoder geschickten Künstlern, als dem Lukas Kranach **),
dem
er aber sah, daß es zu spat war, so schmeichelte er La-chern auf alle Weise, und warf den armen Tetzel mitVerweilen und Drohungen zu Boden. Luther erklärtsich hierüber an seinen Freund Staupitz also: Der Kar-dinal verließ mich mit Umarmungen, mit thranendenAugen, und mit tausend Versicherungen feiner Freund-schaft, welches ich alles mehr mit Ehrerbietung, alsmit Leichtgläubigkeit, aufnahm, ll'om. I. Up. 104.
*) Vocaver.ar aurem all le st. Ter^elium,
praellioatoril orllinis, anLlorem primarinm brlluslra^oelllae, er verlas rninisgue poiniüciis allsoche^ik bominem, ur tanllem animi se^ritullinseonstoererur; guem eZo, uln Iioo retoUr, anrsebicum lirsris lleni^nirer loripns conlolarus lum,so ftrtlr izvno animo eile, neo msi msmoriairr me-ruerer; 5ell cenftienria er rnlliAnarione papas korreoecubulr. Dies sind Worte Luthers in seiner Vor-rede zum 1. Theil seiner altcnburgischen Werke.
Lukas Kran ach, von dein wir annoch Luthers ??ndseiner Frauen Bildnisse haben, ließ sichs einmal einfal-len,