152 Sendschreiben an Herrn von Voltaire.
Nachdem ich also die großen Verdienste diesesMannes aus "einem vortheilhastcn Gesichtspunkte ge-zeiget habe, des Mannes der als ein bloßer Manch,mebr als alle Concilien zu thun vermocht hat; so hoffeich, daß man nicht weiter Lust haben wird zu glauben,seine Schriften waren schlecht genug, um sie mit Wi-derwillen zu lesen. Ich darf so gar behaupten, ohnezu befürchten von Kennern Lügen gestraft zu werden,daß seine Bücher auf eine so gründliche und nachdrück-liche Art abgefaßt sind, daß man nicht nur Wahrheit,sondern auck Vergnügen darin findet. Sein Charakterzeiget sich in einer jeden kleinen Periode. Eras m u s,ein rechtmäßiger Richter in den Sachen des Witzes,k "nme, ob ihn gleich Luthers Hitze aufgebracht hatte,ibm dennoch ftmen Lobwruch nicht versagen. Und derJesuit Paul Bcsnicr*) sagt frey heraus, daßer mit einem netten Witze geschrieben, wel-cher den Charakter aller seiner Werkeausmache. Wenn man dem Remond vom Flori-mond, und dem Varillas **), dem sonst größten Lüg-ner den die Historie jemals gehabthat, glauben will:so „ schien die Nacur die italiänische Spitzfindigkeit„ mit einem deutschen Körper in ihm verbunden zu ha-„ben, und Niemand hatte jemals in einem hohem„Krade die Kunst, alle Schlupfwinkel des Herzens zu„kennen, und mit mehrerer Erbauung zu predigen, alS„er besessen; und das Feine seines Stils hatte bloß„seinem angenehmen Umgange nachgegeben." OhneZweifel aber hatte er diese seltenen Gaben von seinem
Vater
*) In der Vorrede zu feinem 6!Ä. Uc^mol.
S. VanllaZ Iik>. III. in seinem rr.aire üe l'bkercste.S. 225. und R. Flvrünunduö sie oriu. er prourslkuHaares. U. I, c. 5.
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