Sendschreiben an Herrn von Voltaire. »49
wenn Er ihnen nicht einen festen Fußboden bereitet hatte.So gar in Spanien erkühnet man sich schon, anseingeistliches Tribunal zu denken, welches, als das höchsteGericht, diejenigen Streitigkeiten schlichten soll, wofürman noch bisher durch ein wörtliches ttcberblcibsc! einervandalischen Barbarei) von Rom mit Millionen dieEntscheidung zu erkaufen pfleget. Der verstorbeneHerr Grafv 0 n Plcttenbcrg hatte, in Absicht desReichs, eben diesen Entwurf gemacht, den auch derKaiser Karl der Sechste gcbilliget. Allein zu seinemund zu Deutschlands Unglück starb er eben, daer als Abgesandter.^ nach Rom unterwegcns war.Ohne Zweifel hat ihn der Himmel, wie ein romischerAdvocat sagt, wegen seiner kirchenrauberischen Gedankengestraft.
In einer kleinen Schrift, welche Luther zu An-fange seiner Reformation von der Würde und demAmte der Obrigkeit heraus gab, fing er damit andie Einheit der Majestät festzusetzen. Und, zurEhre seiner Lehre, ist kein protestantischer Staat, wo diephysische oder moralische Einheit nicht die höchste In-stanz ist. Seine Feinde haben ihm öffentlich vorgewor-ftn, daß er sich zur Unzeit in politische Verbesserungenmischte, und daß er bloß um die Fürsten auf seine Seitezu bringen die Geistlichkeit zu ordentlichen Unterthanenderselben zu machen gesucht habe. Allein, war es denneben nothwendig, eine bloß sophistische und seraphischeTheologie zu lehren, um diese Vorwürfe zu vermeiden?Und müßte ein Konig sich minder liebenswürdig betra-gen, um seine Herablassung von dem Verdachte einessubtilen Hochmuths zu befreycn? Ist es denn auchwärklich an dem, daß die Fürsten und der Adel so vielbey Luthers Lehre gewonnen, da sie von der Papstlichenund Kardinalswürde, von so vielen Erz - und Vischef-
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