-44 Sendschreiben an Herrn von Voltaire.
Wenn es wahr ist, daß nichts den Lobspruch desvielgeliebten Königes mehr rechtfertigt, als dieVerordnung Seiner Majestät, daß Niemand vor demfünf und zwanzigsten Jahre seines Alters fein Gelübdeim Kloster ablegen solle; und wenn es ebenfalls znwünschen wäre, daß dieser große König, um sein Ge-dächtniß bey einem unzählbaren Volke in Segen zu er-halten , so vielen taufend braven Unterthanen die Er-laubniß ertheilen möchte, sich zn verheirathen, und sichmit ihren Familien von dem Ucberflusse derjenigen from-men Faullenzer zu ernähren, die klug genug sind jenendie irdischen Reichthümer zu entziehen, und sie dafürauf die himmlischen zu verweisen: können Sie dennunserem Reformator Ihre Hochachtung und den Titeldes Vielgeliebten versagen, der als ein Held fürdie gemeinschaftliche Sache des menschlichen Geschlechtsgestritten hat, so daß sein Gedächtniß noch itzt bey mehrals zehn Millionen vernünftiger Wesen gesegnet seyn muß,die seiner Reformation ihr rechtmäßiges Daseyn zu dan-ken haben?
Denn es ist gewiß, daß wir seinem Eiser dieVertilgung von vier tausend Klöstern und andern geist-lichen Stiftungen schuldig sind, die für die menschlicheGesellschaft gleich verwüstend waren, und die Deutsch-land, England, Dannemark, Norwegen, Schweden,Preussen, die Schweiz und Holland mehr als alleGeißel des Himmels entvölkerten. Gesetzt also, daßaus einem jeden Kloster dreyßig Personen oder funszehcnPaar sich verhcirarhet hatten; denn es gab Kloster,worin sich die Anzahl der Mönche und Nonnen, mitdenen die von ihnen abhingen, aus mehr als Zwey-hundert erstreckte; gesetzt weiter, daß jedes Paar undihre Kinder, im Verhaltnisse von Zwey, sich vermeh-ret hätten: so würde am Ende des neunte» Geschlechts
die