Schreiben an den Herrn Vicar in Savovcn. i z?
Sehen Sie einmal die Staaten an, woraus Th o-masius und seine Nachfolger einen Theil dieser Wahr-heit , oder dieses wichtigen Vorurtheils, wenn Siewollen, verbannt haben. Die Bischöfe, Domkapitu-laren, Canonike und andre dieser Art Geistliche, habenmit ihrem schwarzen Kleide den Charakter ihres Stan-des abgelegt. Man furchtet sie nicht mehr, als andreWeltliche. Der Pfarrer ist ein unbedeutender und ge-plagter Hauswirth geworden. In einigen Landern hatsogar der unbedachtfame Staatsmann dem Fürsten dieVerwaltung der geblieben Einkünfte übertragen, unddiesen zum Herrn über ihr Brot und ihre Stimme ge-macht. Das Heiligthum der gesunden Vernunft, wor-auf sich die weltlichen Stände stützten, ist verschwun-den; und es ist ein Glück, daß der Fürst gerecht ist.Wenn er es nicht wäre, Niemand würde ihn binden,Treten Sie nun mit Ihrer natürlichen Religion hinzu;verwandeln Sie die ganze Geistlichkeit in ordentlicheMenschen; schwächen Sie in dem großen Haufen dieMeynung, daß der heilige Geist auf eine besondre Artin ihnen wohne; beruhigen Sie damit den Fürstenwider Himmel und Hölle, Unruhen und Empörungen:was meynen Sie, sollte daraus wohl ein großer Vor-theil zu erhalten seyn? Gewiß, die Reformation hatden katholischen Fürsien wohl gedient, aber die katho-lische Religion dienet noch immer den lutherischen Un-terthanen. In dieser Religion hat sich die politischeHeiligkeit des geistlichen Standes besser erhalten. Derzweyschucidige Schluß, daß man keinen Staat imStaate dulden müsse, welcher in seinen: unbestimmtenUmfange eben so schädlich als glücklich gebraucht wer-den kann, hat sie noch nicht unterdrückt. Die bischöf-kichen und landesherrlichen Rechte sind zwar, wie billig,auf ein Haupt vereinigt, aber glücklicher Weife nicht
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