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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
136
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iz6 Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen.

Hang sehr bequem, den 'Aberglaube zu unterstützen.Aber die natürliche Liebe, die Gütigkeit, die Großmuth,sind eben so sehr zu mißleiten. Sie wissen dieses selbst,und haben sie nicht verflucht. O, der Mensch ist einallerliebstes, wunderliches Ding. Er ist der Herr undder Narr aller seiner Mitgesehopfe, Wir haben Ver-muthungen und Systeme über feine Bestimmung. Itztsehe ich nur auf sein Verhältniß in diesem Leben, inder Reihe worin ich ihn mit meinen Augen sehe; undda finde ich durch die Erfahrung, daß er auf manche»ley Art geleitet und gebändigt werben muß.

Noch eine wichtige Betrachtung, mein werthesterHerr V i ca r, muß ich Ihnen vorlegen, und ich bitteSie inständigst, solche in ihrem ganzen Umfange beyEich Selbst zu überdenken. Glauben Sie, zum Exem-pel, daß die natürliche Religion einem Priester die voll-kommene polirische Heiligkeit, worauf alle Volker ein-müthig verfallen sind, mittheilen werde? Jeder Menschist dem andern durch einen Vcrnunftschluß heilig.Reichs-und Laudsiande sind durch besondere Vertrageund Gesetze in ihrem Amte geheiligt. Beide aber sindgegen die Macht gewaltsamer Fürsten nicht sicher geblie-ben. Den Stand des Priesters aber hat man weitmehr gefürchtet und geschont. Das Volk hat diesemStande einen besondern heiligen Charakter zugeeignet;und Gott mag dieses zum Besten und zur mchrern Si-cherheit der Menschen gar weislich verordnet haben. We-nigstens halte ich es für hochstnothwendig, daß Wahr-heit und Vorurthcil, und alles was Sie sonst wollen,sich vereinige, um die politische Heiligkeit, das gott-liche Merkmal der Unvcrlctzlichkcit und die größte Ehr-furcht diesem Stande zu erhalten.

Sehen