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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
128
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128 Schreiben an den Herrn Vicar in Savoven.

besser gethan, uns seinen Zaum an die Seele, als andie Nase zu legen. Denn an einer Stelle, denke ich,war er uns doch nothig, nin zu gewissen Endzweckengeführt zu werden. Für uns Pöbel, und nicht fürEngel, ist unsre Religion gemacht.

Was ist der Mensch? Ein Thier, das an derKette seiner Einbildung liegen soll. Etliche braucheneinen Klotz von fünf Centnern, um nicht mit der Kettewegzulaufen. Andre liegen vielleicht geruhig an einemLothe. Die Religion aber muß beides, den Klotz unddas Loth, für Millionen Einbildungen haben. UndSie, mein theuerster Herr Vi car! glauben, mit eini-gen zweifelhaften Sätzen diesen unermeßlichen Plan zuerfüllen?

Aber, weiter! Können wir in der natürlichen Re-ligion zu einer vollkommnen Gewißheit gelangen? Nein.Ist dieses ein Vorzug der geoffenbarten? Nein. Undwarum das nicht? Gerade aus der Ursache, weil wirMenschen sind. Der Fehler liegt nicht an Gott. Erliegt an dein Maaß der Erkenntniß, welches wir in derunendlichen Reihe von Geschöpfen erhalten haben. Wirkonnten alle Engel seyn, lind alle Thiere konnten gleicheAnsprüche machen; wir konnten durch einen SchlußGott zwingen zu bekennen, baß er billig nur ein einzi-ges Geschöpf in der nächsten und vollkommensten Ord-nung nach ihm selbst erschaffen sollen (dann aber wärenwir alle beide wohl nicht da gewesen); und dieses ein-zige Geschöpf konnte seinen Schöpfer fragen, warumer nicht ein unmögliches Ding, einen zweyten Gott,aus ihm gemacht hätte? Dieses alles könutcn wir thun,wenn wir thöricht genug wären zu glauben, daß wirals Menschen billig mehr Einsicht haben müßten, alsWir wirklich empfangen haben.

Aber