Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Schreiben an den Herrn Vicar in Savvyen. 127

daß die Predigt der Werke Gottes, welche wir taglichvor Augen haben, gar oft dem Geschrey eines Kana-rienvogels gleiche, welches sein Besitzer zuletzt gar nichtmehr Hort, wenn einein Fremden im Zimmer die Ohrendavon erklingen. Und mit dieser Predigt, mit diesenHauptsiücken, gedenken Sie die wilden Zicgelbrenner .zu einem starken, glücklichen und ruhigen Volke zu bil-den? Wie, wenn diese menschlichen Thiere Ihre Schlüssevon dem Daseyn Gottes und der Unsterblichkeit unsrerSeelen gar nicht faßten? Wie, wenn sie ihre Begierdenmit dem Gewissen verwechselten, und den unrechtenRichter ihrer Handlungen erwählten? Wenn sie dieSonne auf-und untergehen ließen, ohne an etwasanders als an ihre Nahrung zu denken? Wenn ihnendie Werke Gottes bloß zu der Zeit einleuchteten, wo dieSaar auf ihren Aeckern verdorrte, und der Blitz dieZiegelofen einschlüge? O, mein werthester HerrVicar! glauben Sie gewiß, Ihre natürliche Religionist gut, aber nicht hinlänglich.

Lassen Sie Tyrannen, Erdbeben, Ueberschwem-inungcn und andre Landplagen kommen. Mich sollenSie als einen andern Orpheus unten am Felsen, undvor mir die erschrockenen Menschenkinder finden. JedesHerz will ich , mit Hülfe der geoffenbarten Religion,starken, trösten, und zu neuen Unternehmungen ge-schickt machen; wann Sie in Ihren Gebirgen einigenverzagten Zweiflern die Schönheit der eingestürzten WerkeGottes vergeblich predigen werden.

Sie mögen mir immer sagen, die Religion seysolchergestalt nur eine bezaubernde Musik; ein Kapp-zaum für den Pöbel. Ich antworte Ihnen darauf itztweiter nichts als: Wir sind alle Pöbel; nnd Gott hat

besser