Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
126
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i »6 Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen.

Und was thun wir Menschen init der Bcredtsam-keit und Poesie? Wir malen unsern Sinnen. Undwarum das? Weil uns eine sinnliche Rede mehr alsbloße Schlüsse rührt. Nun wollen wir einmal anneh-men, eine gewisse positive Religion wäre eine sinnlicheRede von der natürlichen; und warum dürsten wir dasnicht annehmen, da die sinnliche Rede auch das Wahrezum Grunde haben kann? Sollten denn nicht die Stif-ter und Gesetzgeber Macht haben, unsern eigenen Planzu verfolgen, und die menschlichen Gemüther ans ebendie Art zu ihrem Besten anzugreisen und zu rühren, wiewir solche mit sinnlichen Reden anzugreifen nothig fin-den? Sie haben ewige Strafen und Belohnungen inIhrer natürlichen Religion aufgenommen. Thun Siemir nun die Liebe, und malen der bedürftigen Einbil-dung einiger Menschen den Himmel und die Holle, sowie uns Gott diese Vorstellung zu geben dienlich befun-den hat, um den nothigen Eindruck zu machen: so sine,wir über den ersten Punkt schon verglichen, dasi nehm-lich Gott gar wohl einige Wahrheiten zur nahern In-tuition bringen, und dasjenige was wir in der natür-lichen Religion bloß als Schlüsse und Folgen erkennen,durch eine Offenbarung verstärken, bilden und besiegelnkönnen.

Sie führen an, da Sie das Daseyn Gottes alsdas erste Hanptstück Ihrer natürlichen Theologie bewei-sen, daß es Menschen gäbe welche solches leugneten;und vielleicht sind diese Menschen Gelehrten Sie führenan, daß Andere von eben diesem Range die Unsterb-lichkeit der Seele, Ihr zweytes Hauptsiück, in Zweifelzögen. Sie werden mir zugeben, daß es um das Ge-wissen, weil es durch zufällige Umstände gebildet wird,eine gar mißliche Sache sey. Und das ist Ihr dr-'.ttsHauptstück. Sie werden aus der Erfahrung wissen,

daß