Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen. 125
Donners, von der Ordnung im unendlich Kleinen, undandern Dingen reden lassen; ich habe ihm die Gründeeingegeben, welche die Verfasser der Donner-Stein-und Fischthcologicen dem gebändigten Theile der Men-schen mit gutem Erfolge vorgelegt haben; ich habe ihnendlich, mein werthester Herr Vica r, aus Ihrer na-türlichen Theologie, und besonders aus Ihren Ver-muthungen über die ewigen Strafen und Belohnungen,gegen die Rotte Kora, Dalhan und Abiram reden las-sen. Allein, niemals habe ich damit auch nur zu derVermuthung gelangen können, daß er mit diesen mensch-lichen Kräften ein unbändiges Volk von seinem gött-lichen Beruf zur Herrschaft überzeugt haben würde; be-sonders, wenn es die Noth erfordert hätte etliche Rot-ten aufheulen zu lassen. So stelle ich mir die Sachevor; trauen Sie den Zicgclbrcnnern ein besseres Gefühlzu: so habe ich Unrecht.
Ueberhaupt aber dünkt mich, Gott habe die See-len der Menschen nicht alle nach einem Maaßsiabc ge-macht; so wenig, als er sie alle zu Königen und Welt-weisen berufen. Ein großer Theil derselben scheinet mirunfähig zu seyn gewisse Wahrheiten und Folgen zu be-greifen. Viele werden von der Wahrheit nicht lebhaftgenug gerührt, um zur Zeit der Anfechtung auszuhal-ten. Es giebt sklavische Seelen, welchen die Wahrhei-ten anbefohlen werden müssen. Es giebt Könige, welchekeine 'andre Beweise als Wunder zulassen. Das Costu-me, die Sitten und die Arten zu denken und zu begrei-fen, sind unterschieden. Alle diese Menschen findensich in der Gesellschaft, und die Religion muß für allegerecht seyn. Wenn wir aber der Erfahrung folgen:so hat die natürliche Religion alle diese Bedürfnisse nichterfüllen können.
Und