124 Schreiben an den Herrn Vl'car in Savoyen.
und ich würde es seiner Weisheit gemäß achten, wenner auch solchen nur allein mit seiner Offenbarung ge-sucht hatte.
„Meinenatnrliche Rcligionaber, sagen Sie, wird„dieses alles eben so gut und noch besser leisten. Sie„gründet sich dabey auf keine zweydeutige Zeugnisse.„Ich erkenne den Schöpfer aus seinen Werken. Diese„ sind die beredtesten Prediger. Sie reden zu allen Au-„gcn und Ohren. Ihre Sprache verstehet der Irokese,„wie der Kalmücke. Ihre Schönheit gründet sich auf„ unveränderliche Regeln, welche den weisesten, den„mächtigsten Gott erkennen, und nach einer ganz noth-„ wendigen Folge auch zugleich verehren, bewundern und„ lieben lassen. Wenn wir diesen Empfindungen folgen,„und mir Hülfe einer guten Erziehung unser Gefühl„ oder unser Gewissen bilden: so wird uns dieses alle-„mal richtig führen; und die Aussicht einer ewigen„Strafe und Belohnung, welche ich annehme, wird„den schlechter!! Theil der Menschen beugen, oder doch„wenigstens dem Gesetzgeber die Mittel geben, sie zu„bändigen, zu begeistern und ins Feuer zu führen."
Gut, mein werthester Herr Vicar! ich will IhreTheorie noch nicht besireitcn. Aber nun laßt uns auchden Faden der Erfahrung ergreifen. Wenn wir diesemfolgen: so werden wir sogleich finden, daß alle Gesetz-geber mit dieser Theorie nicht ausgelangt sind. Ichhabe es oft versucht, und Moscn mit aller der Stärkeausgerüstet, welche ihm die natürliche Religion darbie-ten konnte. Ich habe ihn gegen einige hunderttausendZiegelbrenncr, welche ihr Gefühl und ihr Gewissen inden Leimgrubcn gebildet hatten, und ihn stürmisch frag-ten wer hat dich doch zum Richter über uns gesetzt?von der Schönheit der Gestirne, von der Pracht des
Donners,