Schreiben an den Herrn Bicar in Savnyen. 12z
die Religion ist eine Politik, aber die Politik Got-t e s ni seinen: Reiche unter den Menschen. Und, wennwir Gott dienen, ihn loben und preisen: so befördernwir damit Gottes Ehre. Und Gottes Ehre ist die Glück-seligkeit seiner Geschöpfe. Können Sie aber der Gott-heit noch eine größere Absicht zuschreiben: so bin ich esauch zufrieden. Aber allezeit, denke ich, wird die größteVollkommenheit seiner Geschöpfe damit verbunden sepn.
Versuchen Sie es einmal, die geoffenbarte Reli-gion ans diesem niedrigen Gesichtspunkte zu betrachten.David ans dem Throne oder in der Asche: der Sünderauf der 8csla lauer», oder unter einem mit goldenenFranzen besetzten Himmel: der Philosoph mit einemSystem, und das Kind mit einer Klappcrbüchse, kann-ten dein allmächtigen Gott einerley seyn, wenigstenswürde es uns so scheinen, wenn er bloß auf das ein-siedlerische Vergnügen eines Gcbehrdenspiels rechnete,und ein spcculativisches Wohlgefallen an der verschiede-nen Lage unserer Seelen hätte. Allein, uns und derbürgerlichen Gesellschaft ist unendlich daran gelegen, daßder Konig bisweilen in der Asche und auf den Knieenerkenne, wie er vor Gott ein armer Sünder sey. Esist von der äußersten Wichtigkeit für das Wohl einerGesellschaft, daß der Mensch Andacht habe, und sichdadurch zu guten Regungen, zur heilsamen Furcht undzu der nothigen Standhaftigkeit bereiten lasse. Es istvon der größten Nothwendigkeit, daß wir gewisse ver-stärkte Glaubensartikel haben, welche den Unglücklichentrösten, den Glücklichen zurückhalten, den Stolzen demü-thigen, die Konige beugen, und den Krämer einschrän-ken. Ich sage, es ist dieses von der äußersten Noth-wendigkeit in der bürgerlichen Gesellschaft. Diesen End-zweck hat Gott mit der Religion wohl suchen können;
und