Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
122
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i z 2 Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen.

diese müssen Sie mir nun auch ohne weitere Einwürfezugeben, nehmlich: daß alle Gesetzgeber undStifter großer Staaten, sie mögen nun zuloben oder zu tadeln seyn, die natürlicheReligion unzulänglich gehalten haben, ei-ne bürgerliche Gescl! schaft einzurichten,zu binden und zu führen; und daß sie des-wegen zu Göttern und andern Maschinen,oder zu einer positiven Religion, ihreZuflucht neh m e n m üsse n. Nun, das gebenSie mir zu!

Was meynen Sie aber, wenn Gott, den wirbeide erkennen, eben so viel Einsicht, als jene Gesetzge-ber, jene Genies, jene großen Schelme, wenn Sie wol-len, in die menschliche Natur gehabt hatte? Was dachtenSie, wenn er einige, seiner Gottheit anständige, seinemgroßen Endzwecke zusagende Maschinen erwählt hätte,um uns - glücklicher zu machen? Sollte dieses unwahr-scheinlich seyn? sollten ihn hierin menschliche Genies be-schämen? Entweder hat er die großen Gesellschaften ge-wollt, oder nicht. Im ersten Falle, lassen Sie die er-wiesenermaßen zu ihrer Erhaltung nothwendige positiveReligion durch irgend ein Mittel offenbaren: so habenSie eine geoffenbarte Religion. Im letztern streite ichgar nicht mit Ihnen.

In der Natur mag diese Offenbarung freylich auchschon liegen. Aber es ist doch seltsam, daß alle Weisenund alle Gesetzgeber sie nicht darin gefunden haben. Siemuß also wohl so tief liegen, daß sie dem gemeinenAuge entwischt. Und, wenn dieses ist: so ist es ebenso gut, als wenn sie nicht darin läge.

So ist also die Religion eine Politik? und ihrcrhabcuer Endzweck nicht, Gott zu dienen? Ja,

die