Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen. 119
ein glückliches Genie eine erdichtete Nemesis oder eineAsträa auS seineni Gehirne kommen, und durch die-selbe gewissen Pflichten das Siegel der Heiligkeit aufdrü-cken lassen, wenn seine Gesellschafter sich durch bloße Ver-nnnsigründe nicht hatten bändigen lassen wollen; oderaber, daß er ihnen, wie die Chineser ihren Weibern, dieFüße verdorben hatte, um seine neuen Bürger in Ruheund Frieden bey einander zu halten? Vielleicht- denkenSie, sey keines von beiden nöthig, und selbst die Er-richtung großer Gesellschaften überflüssig gewesen: in-dem jeder Mensch ein guter Philosoph seyn, und in denSavoyischen Gebirgen ruhig leben können: vielleichtgehen Sie gar so weit, und sagen, daß der Menschglücklicher gewesen seyn würde, wenn ihn so wenigFurcht als Liebe geplagt, und ihm die großen Gesell-schaften zur Vertheidigung und Bequemlichkeiten nüthiggemacht hatten. Allein, wir wollen nicht grämlich seynund unsere Einwürfe übertreiben, sondern freundschaft-lich annehmen, daß allmählich von Adams Kinderneinige tausend schlimme Enkel herangewachsen und voneinander völlig unabhängig geblieben waren; daß sie alsHirten in einer geraumen Wüste gelebt, und sich endlichüber die Weide entzwcyt hatten; wir wollen weiter an-nehmen , daß diese Hirten in der Schule des HerrnRousseau nicht erzogen, sondern etwa solche Men-schen, solche Hußarcn gewesen, wie wir noch zu unsernZeiten, wo wir doch Lehrer und Prediger haben, bis-weilen sehen; was meynen Sie, würde bey diesemKriege entstanden seyn? Ein Heerführer, glaube ich,auf beiden Seiten, eine Macht viele Kopfe zu vereini-gen , sie auf den Nothfall zu zwingen, zu züchtigen, zustrafen, zu henken, zu brennen, ganze Rotten von ih-nen zu vertilgen. — Und, welchen würden Sie zumHeerführer erwählt haben? im Eifer den Tapfersten
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