i' 8 Schreiben an den Herrn Vicar in Savoyen.
Trostrunde in den grausamsten Martern, Gewichtegegen tyrannische Fürsten, und sehr viele andere Dingeliegen müssen: so glaube ich, das Ihr Plan viel znschwach, und zu allen Absichten bey weitem nicht hin-länglich sey. Ich glaube, daß wir nicht wohl thun,Religion bloß für Philosophen und nachdenkende Wesenzn bilden. Ja, ich glaube, daß es nach der neuestenArt gedacht sey, die Schöpfung verarmen zu lassen,um lauter milchbärtige Emile zn haben.
Sie haben vermuthlich langst die Anmerkung ge-macht, daß die positive Religion mchrentheils mirden bürgerlichen Gesellschaften ihren Anfang genommen,und die Lehre von den Göttern sich in der Genealogieder ersten Stifter und in der Vollmacht der Gesetzgeberam ersten gezeigt habe. Wenn wir ein wenig nachden-ken: so werden wir die Ursache leicht finden, warumNachbarskinder die über einander herrschen wollen, der-gleichen Maschinen zu Hülfe nehmen müssen. Wir wer-den gqr bald entdecken, daß ein einzelner Mann aufeiner wüsten Insel, einzelne Hirten mit ihren Familienin großen Wüstcneyen, mit der natürlichen Religionwohl auskommen konnten, anstatt daß die Vereinigungvieler Menschen zu einem genzeinsamen Stande, zu nahenAcckcrn und Wohnungen und zu reizenden Versuchun-gen, ganz neue Triebfedern, Schnellkräfte und Gegen-gewichte erforderte; und daß endlich der Gesetzgeber,welcher die Anlage dazu machte, sich einige Stelzengeben müßte.
Laßt uns nun einmal annehmen, eine bürgerlicheGesellschaft sey nothig gewesen, um die Welt glücklichoder wenigstens minder unglücklich zu machen; oderman habe nicht umhinkönnen, dergleichen zn errichten:w>ts meynen Sie,> würde es besser gewesen seyn, daß
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