Schreiben an den Herrn Viear in Savoye'si. 11?
gemacht haben. Vermuthlich hatten Sie es, als denStein der Weisen, mit einem Fluche versiegeln, undbloß den Adepten hinterlassen wollen. Ich schließe die-ses aus der sorgfaltigen Achtung welche Sie Ihrer klei-nen Gemeinde bezeugt, und aus der ehrfurchtsvollenAndacht womit Sie, Ihrer heimlichen Meynung unge-achtet, den öffentlichen Gottesdienst Ihres Kirchspielsabgewartet haben. Es ist mir leid, sage ich, daß IhrFreund nicht eben dic Achtung gegen ganz Europa ge-habt, womit Sie Ihrer gebirgischen Gemeinde begegnetsind. Sehr weise Gesetzgeber und Stifter haben einegeheime Religion von der öffentlichen unterschieden, unddamit eine große Einsicht in die mancherley Fähigkeitender Menschen bewiesen. Vielleicht thaten wir bisweilennicht übel, dieser Weise zu folgen. Auch die erstenChristen hatten Geheimnisse, welche nicht sogleich denAnfängern eröffnet wurden.
Jedoch der Fehler ist geschehen, und das Aerger-niß gegeben, und alles was Ihnen und Andern, meinwerthester Herr Vicar, übrig bleibt, ist dieses, sol-ches auf alle Weise wieder auszulöschen. Sie erkenneneinen Gott; Sie machen unser Gewissen zum Richter,und nehmen ewige Strafen und Belohnungen an. Die-ses ist der Hauptinhalt Ihrer Lehre; und damit glau-ben Sie, daß wir einen sichern Führer haben, und allerübrigen Leiter entbehren können. Wenn dieses die ge-heime Lehre einiger natürlich guten und wohlerzogenenEmile seyn sollte: so würde ich Ihrer Meynung inder Stille nachdenken, und vielleicht dic einförmigenGeschöpfe, welche sich mit einem so gelinden Fadenleiten ließen, glücklich preisen. Da es aber eine allge-meine Lehre seyn soll, worin Ketten für Boscwichter,allerhand machtige Triebfedern für Schwache und Feige,
H Z Trost-