Der Werth wiHlgewoemer Neigungen. 5 s
einem gläubigen Vertrauen auf das Verdienst seinesErlösers, wird die Empfindungen seiner Wollust nichtschwachen, welche dadurch daß sie gehciliget ist, nureine größere Vollkommenheit erworben. Die völligeUcbcrgebung in Gottes Willen wird die natürliche Zu-friedenheit seines Gemüths nicht ersticken; und so langekein tödlicher Frost unser Herz seiner Empfindung be-raubt, so lauge wird die Zueignung eines göttlichenVerdienstes durch den Glauben die letzte Kraft seinesEhrgeizes erregen müssen.
Es scheinet mir fast, Phitoklcs, als wenn Nei-gung und Leidenschaft in diesem letzten Kampfe getreuerund freundschaftlicher an unsrer Seite bleiben als allePhilosophie des Verstandes, und unsre Seele alsdannmehr Empfindungen als Gedanken habe. Wenigstenserfahren wir dieses in allen großen Begebenheiten desLebens, wo der Gedanke als ein frostiger Ausleger hin-ter der Urkunde steht. Wenn dieses wahr seyn sollte,wie vieles muß die Andacht eines Christen nicht gewin-nen, wenn sein Herz zu wohlgewognen Neigungen ge-bildet und von wirksamen Trieben zu seiner Vollkom-menheit, oder welches eben dieses ist, von glücklichenLeidenschaften erhoben wird, sich mit einem unendlichenSchwünge seinem Ziele zu nahern? Wie stark, wiefeurig mußte der Glaube desjenigen nicht seyn, welchernicht allein eine so glückliche und kühne Neigung vondem gütigsten Wesen erhalten, sondern auch seine ganzeLebenszeit in beständiger Uebung derselben zugebracht,und sich dadurch zu einer solchen lebhaften Empfindungder Tugend, zu einem solchen Geschmack des Schönengewöhnt hatte, daß er die Nothwendigkeit eines Er-lösers, mit seinem zärtlichen Vertrauen ans die Gütec-ines barmherzigen Gottes, erreicht und ihn mit einer
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