Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

Der Werth wohlgewogner Neigungen. ? Z

welcher in seinem Leben nichts glaubte, zuletzt Alles waSman seiner gesclyvächtcn Einbildnng vorsagt, und mei-net nnnmchr seine Leidenschaften erstickt zu haben, daer die gegenseitigen erwählt. Es würde auch wider dieAbsicht des Schöpfers seyn, wenn wir diese zur Erhal-tung und Beförderung unsrer Glückseligkeit von seinerHand empfangenen Triebe zu einer Zeit ausrotten woll-ten, wo sie uns am besten zu statten kommen. Daß sieaber unter der Herrschaft der Vernunft und des Glau-bens seyn müssen, dieses ist die Forderung, welche ichzum voraus als richtig erkannt, und solche nur in soweit abgelehnt habe, als diese Herrfchaft zur Tyran-nei) und auf die Vertilgung glücklicher und wohlgcra-thcncr Unterthanen ausgedehnet werden wollen.

Ich kann es auch keine blinde Verwegenheit nen-nen, wenn der stoische Weltwcife mit einem überlegtenMuthe dem Tode herzhaft unter Augen tritt; wennein sterbender Cäsar mit dem Anstand eines Heldensich in seinen Mantel wickelt, und der freudige Huronesich in der Glut langsam zu Tode tanzet. Ich findevielmehr darin eine Vorsorge der Natur, welche überallden Menschen mit Leidenschaften gewaffnct, und deneinen zum schwersten Leben, den andern zum grausam-sten Tode gehartet hat. Und warum sollte Sokrate 6einer Verwegenheit und eines niedrigen Stolzes beschul-digt werden, daß er so gelassen den Tod erwartet, undseine Freunde zu Zeugen seiner Unerschrockenheit ge-wählt? In seinen Umständen konnte er sich mit derVorstellung beruhigen, daß den ewigen Gottern seineerhabne Tugend nicht mißfallen würde. Und warumsollte er nicht den Ehrgeiz zu Hülfe und seine Freundezu Zeugen seines Sieges wünschen, wenn ihr Lob dieBitterkeit des Todes versüßen konnte? Ich finde hierin

D z nichis