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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
52
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5? Der Werth wohlgewogner Neigungen.

natürliche Freudigkeit seines Gemüths; und so glaubteer nicht zu sündigen, wenn solche auch mit der letz-ten Wallung des Geblüts sein sterbendes Herz noch ein-mal erguickeit würde.

Diejenigen welche die große Vollmacht, die'größtewelche jemals Sterblichen zu Theil geworden, von Gotterhalten: für noch mehrere Seelen als ihre eigne zusorgen, suchen insgemein die natürlichen Neigungen undLeidenschaften in diesen Vorbereitungen der Ewigkeitgänzlich zu ersticken. Und wer weiß, wie manche ge-rechte Ursache ihre Bemühungen in diesem Stücke recht-fertigt, da sie nach geendigtem Lustspiele die blassen undelenden Menschengcsichtcr hinter den Scenen erblicken,welche einen Augenblick vorher Götter, Könige undWcltweiseu auf der Schaubühne dieses Lebens gespielthaben? Es ist höchst wahrscheinlich, daß sie die Falsch-heit der menschlichen Tugenden aus einer traurigen Er-fahrung kennen, und mehr als einmal durch die Bewe-gungen eines klopfenden Herzens den vergoldeten Pan-zer zersprengen sehen, womit sich eine feige Brust insichern Tagen bewaffnet. Allein überhaupt glaube ichnicht, das es eben rathsam sey, der Natur ihre trcue-sten Freunde abspanstig zu machen, welche so redlichmit ihr aushalten, und auch den Tod selbst mit sanftenWallungen durch die schlaffen Adern schleichen lassen.Neigung und Leidenschaft sind in unserm Wesen gegrün-det, und wo sie die Tugend befördern, da sehe ich kei-nen Grund, solche in der letzten Stunde unsers Lebenszu schwächen. Ihre gänzliche Erstickung ist unmöglich,und derjenige welcher sie am glücklichsten besiegt zu ha-ben glaubt, hat selten etwas anders ausgerichtet, alsdaß er eine furchtsamere Neigung an die Stelle dertapfern gepflanzet. So glaubt der verwegne Freygeist,

welcher