sO Der Werts) wohlgewogner Neigungen.
Weine stärken, und michgcschickt erhalten, ohne Furchtund Unruhe, über die finstern Ufer des Grabes hinwegzutreten? Jtzt fühle ich nieinen ganzen Verlust, da ichan meine bald zu segnenden Freunde denke; mein Herzempfindet die ganze Süßigkeit des Lebens; alle die zärt-lichen, die freundschaftlichen und rührenden Empfin-dungen , worin es sich so oft zu lauter Wollust aufge-lost, würden es zu lauter Thränen schmelzen, wennnicht ein erhabneres und ehrgeizigeres Gefühl sich durchdie schwachen Nerven ausdehnte, einen Trieb durch denandern stärkte, und solchergestalt ein glückliches Eben-maß erhielte. Es sind dieses Umstände, welche inAnsehung meiner künftigen Wohlfarth nichts entschei-den, und ich wäre durch meinen Glauben versichert,auch zitternd selig zu sterben. Allein warum sollte ichmein Sterbebette iu der Kälte wählen, wenn ich ineinem wärmern Zimmer bequemer und mit wenigereZerstreuungen mich zu dieser wichtigen Handlung berei-ten konnte? Warum sollte ich einer fieberhaften FurchtRaum geben, wenn ich diese Schwäche durch eine an-genehmere überwinden kann? Was habe ich nöthig zuwünschen, dasjenige durch Vorstellungen des Verstan-des zu unterdrücken, was ich mit einer stärkenden Arze-ney, und diese ist gewiß der natürliche Muth, verbes-sern kann? Oder sollte es etwa eine edlere Befriedigungunsers Ehrgeizes seyn, wenn ich diese letzte Ueberwin-dung auf die Rechnung meines Verstandes bringen konn-te? Ist es nicht glücklicher für mich, daß ich die Trost-gründe des Glaubens und der Religion bloß für meineunsterbliche Seele bewahren kann, ohne daß ich nothighabe ihre balsamischen Kräfte für eine gar zu furcht-same Neigung zu verschwenden?
So dachte dieser große Mann, welcher die Vor-trefflichkeit der Neigungen und Leidenschaften genau ab-
zuwa-