Der Werth woh.'gewvgner Neigungen. 49
der Gelübde sinket, und Opfer vergebens rauchen, umden Himmel zum Mitschuldigen der Bosheit zu machen.Er sah sie herannahen, ohne sich dieselbe mitCasarnplötzlich und unvermuthct zu wünschen. Ein langsa-mes schwindsüchtiges Sterben schien ihm das beste füreinen Christen zu seyn, welcher sich nie Zeit genug wün-schen konnte, um sich zur Ewigkeit zu bereiten: in allenandern Auftritten des menschlichen Lebens, zerstreuercnunzahliche nothwendige Sorgen diese feyerliche Berei-tung: nur ein gewisser langsamer herannahender Todwüßte unsre Betrachtungen am besten zu vereinigen. Sosehr er aber auch von der Gewißheit desselben bey sichüberzeugt war: so erlaubte er dennoch der Hoffnung,ihm dann und wann mit fröhlichern Aussichten zuschmeicheln, weil er fühlte, daß die Natur nicht dazugemacht wäre dem Tode bestandig entgegen zu sehen.Ich weiß, sagte er, daß ich sterben muß; ich fürchteauch als ein Christ im geringsten nicht, mich diesem,ewigen und sündigen Menschen heilsamen, Gesetze zuunterwerfen. Allein ich will es meiner Begierde zumLeben verzeihen,, wenn sie dessen frohe Aussichten ver-längert , oder den Wurf welchen sie nicht andern kann,durch ihre Geschicklichkeit zu verbessern sich bemühet. Ichhabe es oft mit Vergnügen bewundert, wenn der Ehr-geiz ein glückliches Leben gegen den Ruhm, wohl zusterben, vertauschet. Ich fühle in einigen Augenblickenein ahnliches Verlangen; und warum sollte ich als einChrist diesen glücklichen Trieb unterdrücken, da ich ge-wiß weniger, als ein Römer, zu wagen habe? Warumsollte ich mit meinen Leidenschaften brechen, und michmit ihnen in einen schweren Kampf einlassen, da sie sichvon selbst so wohl anschicken, und wahrend der Zeit,daß ich mit meinen Gedanken in die Ewigkeit vor michhinaussehe, mein Herz gleichsam mit einem balsamischen
MölerS vcrm. Schrillen- i.Bi>. ss) WeiNt