48 Der Werth wohlgewogner Neigungen.
die Reize der Neuigkeit, die lebhafte Sehnsucht empfan-den, als unser weiches Herz um die lieblichen Gestaltender Tugend floß, und sich nach ihrem Bilde formte!Wie stark ist ein solcher Trieb zum Vergnügen? Wiewürdig ist hier das Ziel des Ehrgeizes? Und ist es mög-lich, so viele Schönheiten zu empfinden, ohne zudemwirksamen Verlangen überzugchen, ihrer beständig zugenießen? Was ist der Wollüstige einfältig, wenn erseine Neigung zum Vergnügen auf eine schlechte Art be-friediget, und sich in dein Schweiß seines Angesichtseine zeitliche und ewige Reue bereitet!
Die traurigste Betrachtung umwölket nunmehrdiese heitere Sonne. Eine furchtbare Nacht verhülltdas lichte Gestade, welchem wir uns auf dem schwim-menden Glänze günstiger Wellen zu nahern glaubten.Er lebt nicht mehr, der Christ, der Menschenfreund,der Patriot, der Gemahl, der Vater, welcher jetztnach unserm Wunsche die zeitigen Früchte seiner geseg-neten Bemühungen von seinen ererbten Fluren genießensollte. O Freund! zu wie vielen langen Jahrhunder-ten scheincnftnir die Tage ausgedehnt zu seyn, welcheseit diesem großen und schrecklichen Augenblick verflossen!Wie sehr drückt uns die Bewuudrung der furchtbarenWeisheit nieder, mit welcher unsre Freundschaft zurechten sich nicht untersteht! Er ist nicht mehr, der lie-benswürdigste Freund; und auch diejenige ist unsermzärtlichen Wunsche entrissen, ohne welche sein gütigesHerz die Seligkeit nur halb genossen haben würde. DieNatur hat die Edlen verloren, welche Gewahr ihrerGüte leisteten.
Eine langwierige schmerzhafte Krankheit bereiteteihn in Zeiten zu der großen Stunde, worin der Preis
der