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7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
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Der Werth wohlgewogner Neigungen. 45

ob diese Tugend in der Brust eines Weisen, welcherseinem Herzen vorher überlegte Empfindungen gebietenkann> zu mehrer Vollkommenheit reifen können.

Seine ermunternde natürliche Aufmerksamkeit,welche allen seinen häuslichen Freunden die wirksameBegierde zu gefallen mittheilte; die zärtliche Sorgfalt,womit er seine geringsten Bedienten zu einem erkenntlichenmrd freudigen Gehorsam beseelte; der angeborne Lieb-reiz, welcher alle schuldigen Dienste als Gefälligkeitenaufnahm, floß aus eben dieser lautern Quelle, und er-frischte uni ihn eine Gegend, worin sich sein Herz mitWollust sättigte. Sein Verstand diente ihm fast zunichts, als nur um die Richtigkeit seiner Neigungenund Leidenschaften, und ihre Uebereinstimmung mit demgroßen Zweck seines Daseyns zu entdecken, und ihmdurch seinen Beyfall die angenehme Versicherung zu er-theilen, daß die Natur in ihm nach einer Seite arbei-tete, wo er nothwendig auf die Tugend treffen müßte.Und dieser Beyfall des Verstandes drückte seinen Nei-gungen das Siegel der Tugend auf.

Ich hatte es bald vergessen/ Philokles, Ihnensein väterliches Herz zu eröffnen. Sie haben vielleichtWohl gar schon gedacht, daß ich es mit Fleiß gethan,weil die Natur hier am schwächsten gearbeitet zu habenscheint, indem mancher Vater mehr Liebe gegen dieerste Pfirsich, welche auf einem von ihm crzognenBaume gewachsen, als gegen seine wohlgcrathenen Kin-der zeigt; mancher bey der Bewundrung seiner gelehr-ten Geburten die Erziehung seines einzigen Sohns ver-gißt; und mancher seine Kinder unglücklich macht, umeinen Plan, welcher die Frucht seiner eignen Erfindungist, kostbarlich auszuführen. Denn so scheinet hierauszu folgen, daß die Liebe eines Vaters gegen seine Kin-der