Der Werth wohlgewogner Neigungen, n i
wohl gar aus seiner Hülfe Ruhm suchen wurde; ihreKlagen brauchten nicht heroisch zu seyn, u;n seine Gü-tigkeit zu hintergehen; und er schätzte seinen unglückli-chen Freund glücklicher, als sich selbst, weil, wie ersagte, in der Freundschaft der Wohlthäter das schlimmsteTheil, und mir bloß Gelegenheit hätte, seine Schuldig-keit zu thun: da es hingegen in des Andern Machtstünde, wenigstens die Gelegenheiten zu vermehren, umseinen glücklichern Freund zu verbinden.
In ewigen verworrenen Geschäften eines Freundesnicht endlich müde zu werden; nicht endlich einen Wunschzuthun um wieder frey zu seyn: hierzu gehöret schoneine mehr als gemeine Standhaftigkeit, weil der Mensch,wenn er auch noch so dauerhaft ist, dennoch endlich müdewird, unter der Last bestandiger Unglücksfalle zu arbei-ten, welche nirgend ein frohes Ende erblicken lassen.Allein bey ihm kam die Leidenschaft der Tugend unend-lich zu statten; die Ehre, alle Verdrüßlichkeiten miteinem würdigen Freunde auszudauren; ihn eben in denUmstanden nicht zu verlassen, wo Andre seiner müdegeworden seyn würden; in der weitesten Aussicht nochimmer eine neue Folge von Schwierigkeiten zu ent-decken, und doch immer gleich zärtlich, immer gleichbemüht und immer gleich freudig zu bleiben: diese Ehreschmeichelte ihm zn sehr, um sie nicht mit Eiser zu suchen,und das Vergnügen, seines Freundes ganzer Erkennt-lichkeit zu genieße«, war eine viel zu edle Empfindung,um sie nicht mit Sorgfalt zu unterhalten.
Derjenige kennt die sanften Entzückungen derFreundschaft noch wenig, welcher bloß in dem Schat-ten einer blühenden Linde sich mit seinem zärtlichenFreunde zum Genusse cdclmüthiger Empfindungen verci-
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