Der Werth wohlgewogner Neigungen, gy
sicts wohlgcwogne Neigungen und Leidenschaften diegute Sache solchergestalt zu ihrem Vortheil gekleidethatten.
Ich darf Ihnen wohl nicht sagen, Philokles, wiestark die freundschaftlichen Neigungen eines Mannesgewesen, welcher in den allgemeinen Kreisen seinerBcstim-mung so viele natürliche Wohlgcwogenhcit und Rccht-schaffcnhcit zeigte. Dieses aber muß ich nothwendigsagen, daß er in diesem Stücke seinem Herzen ein meh-rers, als seiner Wahl zu verdanken hatte.
Die Freundschaft ist Empfindung, sie ist Neigung,sie ist Leidenschaft, sie ist Tugend, sie ist ein Theil derGottheit, welcher den leblosen Klumpen beseelte. Wieder Schöpfer die Freude erschaffen wollte, so bildete ererst die Freundschaft, und ließ aus ihren göttlichen Au-gen den ersten Himmel sich über das einsame Geschöpfverbreiten. Von ihrem Munde floß sanfte Weisheit indie Herzen der Edlen, und ihre Bewegungen waren ent-zückende Harmonicen. In ihrem Busen wurde zuerstdie Freude zärtlich, und die Betrübniß süßer als rau-schende Freuden. Sie machte den Kummer lächeln, unddie Freude aus Wollust weinen. Sie gab der Liebedauerhafte Reizungen, und Dein Herz meinem zärtlichenWunsche.
O Philokles! theurester, thcuresftr Philokles! wiewill ich, wie kann ich alle ihre sanften Rcizungcn fühlen,ohne meinen ganzen Verlust zu erwecken? Mein Herz glü-het von geheimen Empfindungen, und schwillt von einernicht überlasrigen Schwermuth. O! wie groß wird meineSeele, wenn sie die Größe ihres Verlustes überdenkt,und noch einmal alle Tugenden ihres Freundes genießt!Mir deucht, ich sehe ihn noch, wie sein Blick die Freude
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