Der Werth wohlgewogner Neigungen, z?
Ein Privatmann hingegen kennet, wie ein aufmerksamerHanswirth, alle Vortheile und Abgange seiner Haus-haltung. Er weiß, was er sich von allen seinen Nach-kuren zu versprechen hat. Ihre kleinsten Umstände sindihm unvcrborgen. Und so kann seine Hülfe und Ein-sicht ihrem Mangel zu rechter Zeit und auf die rechteWeise zu statten kommen. Der Elende erhebt zu ihmsein Vertraue», weil er minder von ihm entfernt ist,und die freundschaftliche Neigung des Wohlthäters be-gegnet ihm oft auf halbem Wege.
So war, Philokles, auch die zärtliche Neigungdes Patrioten beschaffen; er kannte die geheimenMängel seines Vaterlandes. Er wußte, wo dessen Ver-fassung in seinen feinern Theilen litt, und wo sie ohneGeräusch oft durch ein Wort zu rechter Zeit, oft durcheine schmeichelhafte Gefälligkeit, oder durch ein klugesNachgeben verbessert werden konnte. Und auf solcheneinfachen Wegen leitete ihn seine natürliche Wohlgewo-genheit zu einem Ziele, welches oft Staatskluge mitUcberlegung verfehlen. Sein feiner Ehrgeiz machte ihngegen die Bestechungen der Schmeichelei) unempfindlich.Ein edler Stolz weiß auch bisweilen aus der Vermei-dung des Ruhms Ruhm zu suchen, und durch dicUcber-lcgcuheit zu triumphireu, womit er das feine Gewebeder List, die wahrscheinlichen und allsgesuchten Lobeser-hebungen auflöset und verachtet. Das niedrige Ge-würm eigennütziger und sklavischer Geschöpfe, welchedie Freyheit ihres Vaterlandes für kleine Vortheile oderwohl gar für ein allergnädigstes Schulterklopfen ver-kaufen ; der süße, aber falsche Liebling; der allerliebsteVosewicht; der in seine eigne Große entzückte Staats-mann; der prächtig leere Bediente, waren seiner großmü-thigen Empfindung zum natürlichen Ekel. Er trat mit zer-
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