Der Werth wohlgewogner Neigungen. 29
Er fühlte sich großer, als alte endliche Schranken, undder Himmel mußte seinen unsterblichen Bemühungen dieLaufbabn der Ewigkeit eroffnen. Eine sanfte Hoff-nung, welche mit majestanschen Schritten über dasGrab hinweg trat, refleftirte von diesen prachtigen Zin-nen, und verlor sich in Ehrfurcht und Erstaunen, wennsie das Unendliche der Allmacht auch mit ihren heftig-sten Wünschen nicht erreichen konnte. Sein Ehrgeizwar nicht ruhig, ohne von seinem erhabensten Gegen-stände alle nur mögliche Vollkommenheiten zu glauben,und seine Begierde zur Wollust wünschte seiner allmach-tigen Liebe unendliche Ausdehnung. So arbeitetenNeigung und Leidenschaft gemeinschaftlich an einer Re-ligion, welche das Herz auf ihrer Seite, und um des-willen so viel Macht hatte, daß alle Versuchungen undHindernisse ihren unaufhaltbaren Bewegungen weichenmußten. Der Ehrgeiz erhielt sie beständig thätig; dasVergnügen Gutes zu thun öffnete ihre Hand, das Sanfteder Liebe stärkte ihre Andacht; jede Empfindung warDankbarkeit und Ehrfurcht, jeder Ausbruch der Freudeeine äußerliche Verehrung des Schöpfers. Wie leichtmußte es also nicht der göttlichen Gnade seyn, ein sovortreffliches Gefäß zu ihrer Ehre zu heiligen, und ihmdasjenige Verdienst mitzucheilen, was allein Menschensich nicht geben können!
Der Einfluß welchen die natürliche Güte des Her-zens auf seinen Verstand hatte, war ganz nngemein.Sie verhinderte ihn, bey dem schönsten Witze ein Spöt-ter zu werden; und wie ihm Jemand beweisen wollte,daß Millionen gute Welten möglich waren, und folglichwenigstens eine gute aus einem ungefähren Wurfe ent-stehen können: so begnügte er sich, ihn zu bedauren,daß er ein so schlechtes Gefühl von der Einheit, der
Absicht ^