Der Werth wchlgcwognerNeigungen. 27
Die Gottesfurcht ist die erste. Sein Her; floß vondankbaren Empfindungen gegen das gütigste Wesen über,und ohne ein Christ zu seyn, würde feine Seele sich be-ständig in Ehrfurcht und Erkenntlichkeir vor ihm ernie-drigt und ausgebreitet haben. Die Begierde einem sogroßen Herrn zu gefallen, war sein ganzer Ehrgeiz, undsein zärtliches Gefühl von dem Großen und Schonen inden Werkest der Schöpfung eine vollkommcnsinnlicheReligion. Ich glaube diesen Ausdruck nicht zu miß-brauchen. Denn die bildende Gottheit schwebt gleich-sam nah über ihren Werken; unser Herz überraschet siein ihrer Arbeit; ihre schonen Einrichtungen scheinen un-sern Augen ihre heimliche Anwesenheit zu verrathen, undin jeder wachsenden Pflanze zeigt sich ihre wirksame Ge-genwart: wenigstens empfinden wir sie, ohne uns durchformliche Schlüsse davon zu überzeugen. Und da somannichfaltige Schönheiten, und die in ihrer Einrich-tung unsern Sinnen erscheinende Hand des Meisters,nothwendig unsern Empfindungen ein Wohlgefallen er-regen ; das Wohlgefallen aber an sich, wenn es durchdie Leidenschaften freudiger gemacht wird, in Erkennt-lichkeit, Liebe und Verehrung ausbrcchen muß: so nenneich diese auch ohne Beyhülfe des Verstandes Gottverch-rende Neigungen eine Religion unsrer Empfindungen,eine Religion, worin es niemals Atheisten gegeben.
Sie werden vielleicht sagen, Philoklcs, daß ichdie Güte der natürlichen Empfindungen zu sehr erhoben.Allein, können Thiere gewissermaßen dankbar, treu, de-müthig, stolz, großmüthig, zärtlich und herzhaft ge-nannt werden; konnte man eben dieser Güte ihrer Triebeeinen höhern Namen beylegen, wenn der Mensch, gegenwelchen sie ihre Treue und Dankbarkeit beweisen, so ge-wiß ihr Gott, als ihr Herr und Wohlthater wäre:
warum